Am Mittwoch, den 23. Oktober 2019 laden der Verein KZ-Gedenkstätte Neckarelz, die Projektgruppe „Judentum im Kraichgau“ der Realschule Waibstadt sowie der Verein „Jüdisches Kulturerbe im Kraichgau“ zu einem Vortrag über die Errichtung, die Belegung und Geschichte(n) des KZ-Nebenlagers Neckarbischofsheim ein.

Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr in der Aula der Realschule.

Vor 75 Jahren, im September 1944, begannen in der Nähe des Bahnhofs Neckarbischofsheim Nord Arbeiten zur Errichtung eines Barackenlagers. Dort sollten 1.000 Zwangsarbeiter untergebracht werden, die in einer unterirdischen Rüstungsfabrik bei Obrigheim mit dem Tarnnamen „Goldfisch“ arbeiteten. Sie kamen seit Sommer 1944 vom Daimler-Benz-Werk Genshagen bei Berlin, das zu großen Teilen in die Obrigheimer Gipsstollen verlegt wurde. 

Das Lager Neckarbischofsheim entstand entlang des Schwarzbachs an der Gemarkungsgrenze zwischen Waibstadt und Neckarbischofsheim, wo später die beiden Ortschaften Bernau und Schwarzbachsiedlung gebildet wurden. Aufgebaut wurde das Lager von Häftlingen des KZ Neckarelz, die zunächst täglich zwischen Neckarelz und dem Lagerstandort hin und her pendelten. Als die ersten Baracken halbwegs fertig waren, wurden schließlich zwischen 80 und 130 KZ-Häftlinge einquartiert. Damit entstand allmählich ein kleines Nebenlager des KZ Neckarelz. Das Lager Neckarbischofsheim wurde bis Kriegsende allerdings nicht mehr fertiggestellt und konnte daher auch nicht von Fabrikarbeitern von Daimler-Benz bezogen werden. Der Referent Arno Huth vom Verein KZ-Gedenkstätte Neckarelz wird in seinem Vortrag den Gesamtzusammenhang umreißen, dann das Lager in seinen Besonderheiten vorstellen sowie Lebensgeschichten von KZ-Häftlingen aus verschiedenen Nationen erzählen, die im Lager Neckarbischofsheim arbeiten mussten. 

Der Vortrag wird begleitet von einer Ausstellung zum 20. Jubiläum der Projektgruppe „Judentum im Kraichgau“. Auf Stellwänden werden die vielfältigen Aktivitäten der Schüler, zu denen unter anderem die Rettung des Weil-Mausoleums gehört, anschaulich dargestellt.